Oktober 1944 – Oktober 2024: Vor 80 Jahren wurde Trakehnen evakuiert
Es gibt Jubiläen die feiert man und jene die Gedenktage werden
In der Nacht zum 17. Oktober 1944 erhielt Ernst Ehlert, Landstallmeister des Hauptgestüt Trakehnen, die Erlaubnis, das gesamte Gestüt vollständig zu evakuieren, nicht zum ersten Mal in seiner Geschichte. Ziel war es, den Pferdebestand, der noch nicht in Richtung Westen transportiert wurde, zu retten. Mehr als 200 Jahre nach seiner Gründung wurde das Hauptgestüt Trakehnen damit aufgegeben, diesmal endgültig. So begann für Mensch und Pferd eine Odyssee voller Strapazen, die erst im Jahr 1945 ihr Ende fand. Mit dieser hatten die Trakehner die wohl „härteste Leistungsprüfung“, die Pferde je abgelegt haben.
Spätestens mit den Niederlagen in Stalingrad (1942/43) und bei Kursk (1943) erlangte die Rote Armee endgültig die Initiative an der Ostfront und bewegte sich immer weiter auf die Reichsgrenzen zu. Trakehnen selbst lag nur wenige Kilometer entfernt von dieser Grenze, weshalb der Landstallmeister Ernst Ehlert schon früh begann bei seinen Vorgesetzten und auch direkt im Reichslandwirschaftsministerium um die Erlaubnis zu bitten, das Gestüt evakuieren zu dürfen. Diese wurde jedoch erst viel zu spät erteilt. Nur Teile des wertvollen Pferdebestands konnten schon früher in Richtung Westen gebracht werden, zum Beispiel in das Hauptgestüt nach Graditz.
Glücklicherweise gab es Menschen, die sich in so hohem Maße für die Pferde einsetzten, dass auch durch die Trecks noch Pferde gerettet werden konnten. Im tiefsten Winter führten diese Trecks unter anderem über das zugefrorene Frische Haff, das Ostpreußen von einer polnischen Landzunge trennte. Doch auch die Pferde kämpften für „ihre“ Menschen, indem sie die Fluchtwagen zogen und so auch Kindern und älteren Menschen die Flucht ermöglichten.
Ergebnis dieser katastrophalen Entscheidung war, dass von weit über 25.000 Pferden aus Ostpreußen nur etwa 900 die Flucht in den Westen überlebten. Von den 290 Mutterstuten, die aus dem Hauptgestüt mitgenommen wurden, haben letztendlich nur 27 die Flucht in den Westen geschafft. Insgesamt haben es rund 700 Pferde nach Westdeutschland geschafft. Viele Pferde, die zunächst scheinbar in Sicherheit waren, wurden in Graditz von den Russen beschlagnahmt. Für den Wiederaufbau der westdeutschen Zucht blieben so zunächst ca. 70 Hengste.
Viele erwarteten mit dem Verlust Trakehnens und der geringen Zahl der geretteten Pferde das Ende des ostpreußischen Warmbluts Trakehner Abstammung. Doch es ist Menschen wie Siegfried Freiherr von Schrötter und Dr. Fritz Schilke zu verdanken das die Jahrhunderte lange Zuchtgeschichte nicht mit dem Untergang des Hauptgestüts zu Ende ging. Neben diesen ist es auch den vielen großen und kleinen Züchtern zu verdanken, dass das Trakehner Pferd heute in der ganzen Welt zuhause ist.
Zum Abschluss ein großer Dank an alle die den Trakehner weiterleben lassen. Egal ob kleine oder große Züchter, oder all jene die die Geschichte dieser wunderbaren Rasse für die Nachwelt festhalten.
Die Fotos stammen aus dem Artikel Ein Titel für Trakehner (https://www.pm-forum-digital.de/project/unesco-immaterielles-kulturerbe-ein-titel-fur-trakehner-09-2022/) und https://www.weekend.at/moments/pferde-trakehner-eine-leidenschaft
Verfasser Carolin und Markus Grün